OKB - der Oberhessische Künstlerbund

von Bruno W. Reimann

 

Der Oberhessische Künstlerbund (OKB) ist ein Verein, dessen arroganter Umgang mit Künstlern, die er selbst zur Bewerbung um die Mitgliedschaft aufgefordert hat, nur noch durch die künstlerische Mittelmäßigkeit der Mehrheit seiner Mitglied übertroffen wird. Da lohnt es sich doch einmal hinzuschauen, was sich da für Größen und Koryphäen vereinsmäßig versammelt haben. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, die tatsächlich über den Tellerrand der Provinz hinausschauten, schwimmen alle anderen im Brackwasser der Provinzialität.

Zunächst zwei Fakten.

  1. Keines der OKB-Mitglieder ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund, dem 1903 in Weimar auf Initiative des Kunstförderers Harry Graf Kessler von Lovis Corinth, Max Liebermann, Alfred Lichtwark, Max Slevogt ins Leben gerufenen maßgeblichen Kunstvereins In Deutschland.So weit hat es bei keinem gereicht!.
  2. Für die überwiegende Mehrzahl der OKB-Mitglieder liegen keine Informationen vor, ob Werke von öffentlichen Museen aufgekauft wurden.  Es ist also davon auszugehen, daß Aufkäufe nur in ganz wenigen Fällen vorkamen. So teilt ein  OKB-Mitglied (Gisela Denninghoff) mit, daß es einen Aufkauf seitens des Oberhessischen Museums gab. Ein anderes (Anne Held) spricht von „öffentlichen Ankäufen (Stadt und Land)“. Ohne weitere Spezifikation ist eine solche Information allerdings nicht  reliabel.

Ich gehe davon aus, daß Künstler hochgradig eitel sind und ihrre „awards“ unter die Leute bringen, sei es auf der Homepage des OKB, sei es auf einer eigenen. Richtig ist, daß die Homepage des Vereins nicht sehr aktuell ist und ganz offensichtlich sehr schludrig geführt wird. Doch wurde für jedes der Mitglieder ein Abgleich der Vereinsinformationen mit Informationen im Internet gemacht und nur für ganz wenige ergaben sich Differenzen. Die wenigstens dieser herausragenden ‚Künstler’ werden außerhalb ihres Zusammenhangs mit dem OKB im Internet erwähnt; die allermeisten von ihnen, ca. 80%, haben keine Internetgalerie. Nur die, die den Kopf etwas über den Tellerrand der Provinz herausgestreckt haben, haben eine Homepage, auf denen sie sich und ihre Arbeit darstellen.

Zur Ausstellungspraxis:

  1. Die Mehrzahl der Mitglieder hat weder kontinuierlich noch überhaupt je Einzelausstellungen gemacht, ist also über Ausstellungsbeteiligungen nicht hinausgekommen.
  2. Die Mehrzahl der Mitglieder stellt, sei es in Einzelausstellungen, sei es in Gruppenausstellungen nur im lokalen Rahmen aus, der sich dann zwischen Dormitorium/Lich, Kunststation Kleinsassen und Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (Kukuck) bewegt. Nur vier oder fünf haben über den lokalen Rahmens hinaus ausgestellt.

Um ein Beispiel zu nennen. Die Ausstellungsgeographie liest sich dann in etwa so: Echzell, Kleinsassen, Assenheim, Unterer  Hardthof Gießen, Kloster Arnsburg, Rosbach vor der Höhe, Wißmar (bei Gießen), Bad Nauheim.

Bei den vielfach zahlreich genannten Ausstellungen handelt es weitgehend um einen Etikettenschwindel. Das geht etwa so vor sich: Ein Mitglied des OKB gründet eine mobile Galerie (z.B. die Produzentengalerie 42), die mal hier, mal da ausstellt. Mitglieder des OKB stellen immer wieder in dieser Produzentengalerie aus und können auf diese Weise ihre „Ausstellungsvita“ bereichern. Der Ausstellungserfolg indes ist kein wirklicher, sondern ein tautologischer. In der Wissenschaft nennt man so was „Zitierkartelle“. Im Grunde ist das Bluff!

Noch etwas, was im Kunstbereich gang und gäbe geworden ist. Man meint, allein die Nennung des Faktums, daß einer an einer Kunsthochschule studiert hat, sei schon ein Qualitätsausweis. Bei keinem, der an einer Universität studiert hat, genügt allein die Nennung diese Faktums (Studium); er muß seine Qualifikation durch zusätzliche benennbare Leistungen dokumentieren, Publikation eines Aufsatzes, Buches etc. Also: Der Hinweis allein auf das Studium an einer Kunsthochschule genügt nicht. Wer je keine Einzelausstellung gemacht hat, hat sein Klassenziel verfehlt.

Es gibt vier oder fünf der 35 auf der OKB-Homepage genannten Mitglieder, die über den lokalen Rahmen wirkten, Einzelausstellungen machten etc. Es läßt sich gegenwärtig schwer feststellen, ob sie auch nationale Reputation haben, denn  es gibt kein „who is who in German`s art“. Aber alle anderen sind Provinzler, die außerhalb des Unteren Hardthofs keiner kennt, die ihre Nase zu hoch tragen!

Alle die von mir herangezogenen Indikatoren verdeutlichen, daß der OKB in der Mehrzahl seiner Mitglieder mittelmäßige Talente versammelt: Kein überragender Zeichner, keiner der im Figurativen außerordentlich ist, schon gar kein exponierter Vertreter des abstrakten Expressionismus. Vieles sieht so aus, wie sich Klein-Fritzchen die moderne Kunst vorstellt. Manche Bilder gleichen denen, die in zweitklassigen Einrichtungshäusern hängen.

Der Verein ist angesichts seines prätentiösen Auftretens einfach nur skurril. Ich habe eine solche Bewerbungsprozedur erlebt: da stand eine Reihe von uninteressierten, unempfänglichen und mürrisch wirkenden Leuten herum, die die Bilder nicht wirklich ansahen und auch nicht das Gespräch mit dem Künstler suchten. Da kann man nur sagen: was für ein unfähiger Haufen, was für ein erbärmlicher Verein, dieser Oberhessische Künstlerbund!

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