Bruno W. Reimann: Warum in Gießen die Aufarbeitung der NS-Geschichte blockiert wird.

Dokumentation



Gießen
oder: Warum in vielen Regionen die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit blockiert wurde und weiterhin blockiert wird.
Die Verleugnung unbequemer historischer Wahrheiten durch das Gießener Bürgertum am Beispiel einer Ausstellung zum Vorfaschismus in der Provinz

Biebertal: Cento-Verlag 2014 (i.E.)


Ich dokumentiere in diesem Band die Vorgänge um die Ausstellung „Antisemitismus und Nationalsozialismus in der Gießener Region“, die vor 24 Jahren im November 1988 im Alten Schloß stattfand. Es war die erste, einzige und vermutlich auch letzte (wenigstens in der Lebenszeit der jetzt in Gießen lebenden Menschen) Ausstellung, die sich des heikelsten Themas der deutschen Geschichte angenommen hat, der Faschisierung und Durchsetzung des Nationalsozialismus am Beispiel einer Region. Warum kommt die Dokumentation so spät, könnte man jetzt fragen? Ich habe die seit Jahren gehegte Absicht lange beiseite geschoben, weil mich die Vorgänge seinerzeit, eine Art ‚Spiel’ „alle gegen einen“, und die unverfrorene Dummheit, die die Hauptakteure an den Tag legten, einfach nur anekelten. Ich hatte persönlich noch nie soviel Dummheit und Gemeinheit von Leuten erlebt, die sich ansonsten um dieses Thema einen Dreck scheren und nur dann aktiv werden und das heißt: mit Abwehr und Invektiven reagieren, wenn einer der „ihren“ davon betroffen ist und das „Nest beschmutzt“ wird! Mit derselben Kraft, mit der sich der Nationalsozialismus in Deutschlands durchsetzte, wird er seit Jahrzehnten von einer großen Gruppe von Deutschen, die ich Hitlers Nachhut genannt habe, verdrängt, verleugnet, bagatellisiert!

Gleichwohl rekonstruiere ich jetzt anhand von Zeitungsberichten und Dokumenten die Vorgänge, weil ich der Meinung bin, daß sich in all diesen Konflikten und Verwerfungen etwas Exemplarisches manifestierte, das typisch ist für die deutsche Nachkriegsgeschichte der Ausklammerung der NS-Geschichte. Warum das so ist? Ich erkläre es mir so. Die Sicht dieser Leute, dieser Ausklammerer, läßt sich mit folgender Formel umreißen: Ich habe mit den Nazis nichts am Hut, bin auch Nazi-Gegner, aber nur so lange, so lange ich keinen kenne, der ein Nazi oder fellow traveller des Nazismus war! Ich bin für die Aufarbeitung der NS-Geschichte, ja klar, aber wenn jemand Informationen über meine NS-Spezis (Vater, Onkel, Großvater, Großonkel u.a., Kollege, Freunde der Familie oder Freunde von Freunden der Familie etc.) zu Tage fördert, dann soll er mich kennen lernen. Da kenne ich keinen Spaß! Aber das ist noch nicht genug: es gibt auch einen Solidarisierungseffekt mit denen, die den alten Nazis ehrenvolle Nachrufe schrieben und die Hand über NS-"fellow travellers" hielten. Als ich Knauß wegen solcher Dinge kritisierte, ging mich der verstorbene Antifa-Pfarrer Frank Pötter hart an. So könne man mit einem "ausgewiesenen Antifaschisten" nicht umgehen. Auch der Professor für Politikwissenschaft, Prof. Manfred Dörr, der 1964 über die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) promoviert hat und es eigentlich hätte besser wissen müssen, schlug sich auf die Seite der Bekenntnisfront um Knauß. Mit der Sache selbst hat sich der Professor Dörr nie auseinandergesetzt!! Dörr war von 1976 bis 2005 Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Vetzberg (ein Teil der Gemeinde Biebertal). Auch hier triumphiert Kumpanei über Sachverstand! So existierte im OHG und vor allem der SPD ein kaum auflösbares Knäuel, ein verbackenes Ineinander von Rücksichtnahmen und Kumpaneien (Solidarität ist beileibe etwas anderes!). So ist das nun einmal im deutschen

 

Sumpf, Antifa eingeschlossen! Weil aber in den Kern-Kommunikationsstrukturen einer Stadt jeder mit vielen verwandt, verbandelt oder sonstwie affiliiert war und ist, ist nichts passiert, nichts aufgearbeitet worden! So deckte und deckt sich über alles ein Leichentuch der Rück-, Nach- und Vorsichten. Was für ein prächtiges Volk, in Gießen und auch anderswo. Es macht seiner Schande alle Ehre!

Ich mache es auch, weil sich in den letzten 24 Jahren in dieser Hinsicht, sieht man von den symbolischen Aktionen (Gedenkplaketten, Stolpersteine u. a.) ab, die aber erkenntnismäßig nichts bringen, nichts geändert hat.

Die Ausstellung wurde sehr schnell zum Politikum, weil in ihr das politische Wirken eines Mannes gezeigt wurde, der von 1918 bis 1933/37 aktiv in der rechten Szene tätig war und als DNVP-Vorsitzender der Provinz Oberhessen zum deutschnationalen Seitengänger des Nationalsozialismus wurde und 1933 den Schulterschluß mit den Nazis vollzog. Aufgrund dieser langen und über 14 Jahre ungebrochenen Vita ließ sich - wie mir die erste Professorin für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Gießen Anne-Eve Brauneck (1910-2007) bestätigte – „an ihm (gemeint ist Zimmer) darum die allmähliche Entstehung des Nationalsozialismus aus der deutschen Rechten sehr gut und zutreffend exemplifizieren.“ (Prof. Anne-Eve Brauneck an Prof. Bruno W. Reimann, 3.10.1993)

 

Die Familie Zimmer war und ist durch Zimmers langjähriges Wirken nach 1945 als FDP-Stadtverordneter und dann durch seine berufliche Tätigkeit als Rechtsanwalt in Gießen so gut vernetzt, daß sich alsbald – aufgrund der Offensive des seinerzeitigen Vorsitzenden des Oberhessischen Geschichtsvereins und Stadtarchivars Prof. Dr. Erwin Knauß sowie der Zimmer-Nachkommen Gaby Rehnelt - eine bürgerliche Phalanx artikulierte und in Szene setzte, die, unter völliger Verleugnung der historischen Tatsachen, den Gießener Bürger Zimmer politisch salvieren wollte. Noch während die Ausstellung aufgebaut wurde, besuchte Knauß die Ausstellung und outete sich als Freund der Familie Zimmer. Er ersuchte, auf die Darstellung Zimmers zu verzichten oder zumindest auf die Nennung des Namens und das Zeigen eines Fotos. Knauß war einer der Redner bei der Ausstellungseröffnung; er kommentierte die Ausstellung freundlich und distanzierte sich zugleich zurückhaltend von einigen Bewertungen in der Ausstellung.

In der Folgezeit befeuerten sich die teilweise völlig ausgerasteten Zimmer-Nachkommen in der Person der Tochter Gaby Rehnelt und Prof. Knauß wechselseitig, um die Ausstellung und vor allem die Aussteller zu diskreditieren. Dabei schob Prof. Knauß in bewußter Irreführung der Öffentlichkeit die Angelegenheit auf ein völlig falsches Gleis, um die Aussteller zu diskreditieren und seinen verstorbenen Freund Zimmer der öffentlichen Debatte zu entziehen. Er erklärte gegenüber einer Gießener Zeitung (vgl. GAZ, 20.12.1988), die Ausstellergruppe habe das Archivgesetz verletzt, weil Zimmer keine Person der Zeitgeschichte sei. Indes: Das Archivgesetz kann nur verletzt werden, wenn Archivalien, also Materialien aus Archiven, benutzt werden und bestimmte Schutzfristen nicht eingehalten werden. Es gilt unstrittig folgender Grundsatz, der sogar in einigen Archivgesetzen bekräftigt wird: „Die Schutzfristen nach Absatz 1 gelten nicht für solche Unterlagen, die schon bei ihrer Entstehung zur Veröffentlichung bestimmt oder der Öffentlichkeit zugänglich waren.“ (so das Archivgesetz NRW) Informationen aus Büchern, Zeitschriften, Zeitungen haben mit dem Archivgesetz gar nichts zu tun. Unser Material, was Zimmer betrifft, hatten wir ausschließlich aus Publikationen solcher Art zusammengestellt; sie unterlagen in keiner Weise dem Archivgesetz. Was Knauß hier lancierte, war und ist eine systematische Irreführung, Verdrehung und Manipulation der Sachverhalte. Und insofern auch eine Lüge! Unabhängig von diesem Aspekt ist Zimmer hinsichtlich des Umfangs und der zeitlichen Dimension seines Wirkens unstreitig eine Person der lokalen Zeitgeschichte!

Die CDU, wie könnte es anders sein, sprang, munitioniert durch Knauß und Rehnelt, in der Sache bei und profilierte sich als lokale Kraft der Schlammschlacht. Sie wurde, als es im Gießener Stadtparlament um die Finanzierung eines Ausstellungskatalogs durch die Stadt ging, nicht müde, die mangelnde Qualität der Arbeit anzuprangern. Man hätte dann ja erwarten können, daß sie, zumindest ab 2003, als es einen CDU-Oberbürgermeister gab, Initiativen zur Aufarbeitung der lokalen NS-Vergangenheit ergreift, um es besser zu machen. Aber was soll man von dieser reaktionären Partei von „Johnny“ Klein & Konsorten erwarten, in der nach dem Krieg aufgrund einer bestimmten Anschlußlogik alte Nazis ihre politische ‚Heimat’ fanden! Diese Nazis sind mittlerweile gestorben, das Milieu, der üble Odem, der über dieser Partei liegt, ist geblieben!

Die SPD in Gießen meinte wohl, mit der Finanzierung eines Katalogs zur Ausstellung von 1988 habe sie ihre Schuldigkeit getan. Von ihr kam vorher und nachher nichts. Auch hier gab es seitens der Hinterbänkler anstelle von Argumenten nur Gerüchte und Ressentiments! Man denke nur an die unwahre und sprachlich völlig abgerutschte Äußerung des Stadtverordneten und Stadtältesten Hermann Walldorf (SPD) zu Jakob Friedrich Zimmer, dem Stein des Anstoßes dieser Ausstellung: „Ich bin weiterhin als Demokrat der Meinung, daß man Jugendsünden eines Menschen, der späteren sich eines besseren besonnen hat, ihm nicht noch nach dem Tod anhängen kann.“ (so der Stadtälteste Hermann Walldorf, SPD, in: Katalog 1993, Anhang)

Die SPD hat in den vielen Jahren, in denen sie politische Verantwortung in Gießen hatte (Albert Osswald, von 1954 bis 1957 Stadtkämmerer und Bürgermeister, von 1957 - 1963 Oberbürgermeister; Bernd Schneider, von 1963 bis 1977 OB; Manfred Mutz, von 1985 bis 2003 OB, Dietlind Grabe-Bolz, ab 2009 OB), von sich aus nichts, aber auch gar nichts getan, um eine Erforschung der lokalen und regionalen NS-Vergangenheit in die Wege zu leiten (wie es viele andere Städte getan haben, Aurich z.B., Stuttgart z. B. unter einem CDU-Oberbürgermeister!)

Als Beispiel darf das Buch „800 Jahre Gießener Geschichte. 1197 – 1997“ gelten. Das Buch wurde von Ludwig Brake, dem neuen Stadtarchivar, und Privatdozent Heinrich Brinkmann von den GRÜNEN herausgegeben. Das Thema der politischen Geschichte Gießens in der Weimarer Zeit wurde auf dürftigstem Niveau abgehandelt, eine Kompilation von längst Bekanntem, unter Ausklammerung aller politisch bedeutsamen Vorgänge in den 20 und frühen 30er Jahren in der Stadt und ihrer Universität. Die Geschichte wird auf knapp 3 Seiten abgehandelt. Um ein Quellenstudium hat man sich gar nicht erst bemüht. Das alles fällt auf die Herausgeber zurück. Brake wandelt in den Spuren Knauß. Im Stadtarchiv werden die Schmähschriften der Zimmer-Nachkommen zu dem Prof. Reimann sorgfältig archiviert; die zahlreichen Arbeiten von Bruno W. Reimann zu Gießen sucht man vergeblich. Der links-grüne Anpasser Heinrich Brinkmann, zudem ein retardierter „68er“, hat überhaupt nicht das intellektuelle Format, sich mit Dingen zu befassen, mit denen sich ein intellektuelles Risiko verbindet.

Ich hatte mich seinerzeit, 1990, als u. a. Ex-SPD-Ministerpräsident Albert Osswald als Leumundsgeber für den Altrechtsradikalen Zimmer auftrat, auch an die JUSOS im Unterbezirk Gießen, in der Person von Udo Bullmann, heute SPD-Abgeordneter im Europaparlament, gewandt. Dieser leitete die ihm übermittelten Unterlagen an den „Kreisvorstand der Gießener Jusos (in Person an Dietlind Grabe-Bolz, Kristine Tromsdorf und Thorsten Schäfer als gleichberechtigte Vorsitzende)“ weiter, damit eine „politische Bewertung“ erfolgen könne (Schreiben von Udo Bullmann an Bruno W. Reimann, 10.1.1991) Die JUSOS konnten sich nach einigem hin und her nicht zu einer solchen politischen Stellungnahme durchringen, wahrscheinlich aufgrund der allbekannten politischen und vor allem opportunistischen Rücksichten. Niemand wollte gegen Osswald, Walldorf, Oppermann und Konsorten antreten! Thorsten Schäfer, nunmehr Schäfer-Gümbel und mittlerweile Landesvorsitzender der hessischen SPD, von mir noch einmal im Januar 2012 angesprochen, es ging um den Entwurf für ein mit Portraits versehenes Titelbild, antwortete u. a. folgendes: „Seien Sie versichert, daß ich heute wie damals jede qualifizierte wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus nachdrücklich unterstütze.“ (Email von Thorsten Schäfer-Gümbel an Prof. Reimann vom 13.1.2012) Da braucht man semantisch nicht herumzudeuteln: Die Aussage ist klar, die Arbeit der seinerzeitigen Arbeitsgruppe wird als unqualifiziert eingestuft. Ich halte die Äußerung des SPD-Landesvorsitzenden für dumm, bösartig und verleumderisch und zwar mit der Einstufung „tripel aaa“! Bösartig darum, weil seinerzeit auf Betreiben der Zimmer-Nachkommen ein wissenschaftliches Gutachten von Prof. Dr. Jörg Kammler erstellt wurde, das mit in den 1993 von der Stadt Gießen erstellten Katalog zur Ausstellung aufgenommen wurde. Seinerzeit hatte sich auch der Professor für Politikwissenschaft, Prof. Dr. Klaus Fritzsche, auf Bitte von SPD-Genossen, mit dem Vorgang beschäftigt und fünf Seiten umfassende „Anmerkungen zu der Auseinandersetzung zwischen Bruno W. Reimann u. Mitarbeit. Einerseits, Gaby Rehnelt (die Zimmer-Tochter – B.W.R.) über die Rolle von J. F. Zimmer in der Weimarer Republik und im Dritten Reich aus Anlaß der Rehneltschen Dokumentation“ (28. Juli 1989) verfaßt, die intern zirkulierten, aber nicht öffentlich diskutiert wurden. Gutachten wie Anmerkungen kamen zu einem für die Arbeit von Prof. Reimann und Mitarbeitern positiven Ergebnis! Offenbar ist dies alles an dem verpennten Juso-Vorsitzenden von damals und dem verpennten Landesvorsitzenden von heute vorbeigegangen! Diese Haltung entspricht adäquat dem abgeranzten Zustand der Gießener SPD, die in puncto "Aufarbeitung der Vergangenheit" nie etwas auf die Beine gestellt hat, deren Mitglieder aber Wegbereiter des Nationalsozialismus politisch salvieren!

In Gießen wird unter CDU- und SPD-Oberbürgermeistern weiterhin diese Thematik ausgeklammert. Man ist auf dem Weg der post-histoire, der schönen neuen Welt der Events und der Ausblendungen.

Als die Firma Sommerlad 2009 ihr 80jähriges Jubiläum feierte, gra-tulierte auch die SPD-Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz in einer ganzseitigen Anzeige in der Gießener Allgemeinen Zeitung: "80 Jahre Familientradition - das ist für ein Unternehmen in der heutigen Zeit keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Dem beliebten Einrichtungshaus ist es mit Familiensinn, Fleiß und den richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt gelungen, ein solches einmaliges Jubiläum in unserer Region zu feiern." Ich sprach sie, die ehemalige Juso-Spezialistin, darauf an, ob sie wisse, daß der Firmengründer Sommerlad jüdisches Eigentum „arisiert“ habe, ob ihr überhaupt die „Arisierungsproblematik“ bekannt sei und warum diese seit 1945 nicht diskutiert wurde, antwortete Grabe-Bolz lapidar: „Die Frage von Käufen und Verkäufen von Grundstücken in der Vergangenheit läßt sich anhand des Materials im Stadtarchiv nachvollziehen." Das verweist auf null Problembewußtsein bei der OB Grabe-Bolz. Wer zukünftig fragt, warum etwas nicht aufgearbeitet wurde, kann als Antwort erhalten: Das läßt sich in Archiven finden! Also dümmer geht es kaum! Bei einer beträchtlichen Anzahl von Politikern zeigt sich in diesen Fragen eine Mischung aus aalglattem Zynismus und bornierter Gleichgültigkeit. Auf diese Politiker paßt das Wort von Helmut Schmidt: „Die politische Klasse insgesamt ist heruntergekommen“ (Stern-Gespräch, Stern 45/92, S. 60). Ernst Jünger, ein ausgeprägter Demokratie-Skeptiker, sagte, als er wieder einmal auf sein Verhältnis zur Demokratie angesprochen wurde, etwa sinngemäß: Sie reden von Demokratie, aber schauen Sie sich doch die Demokraten an!

Gleichwohl: In diesen Auseinandersetzungen machten einige auch eine gute Figur mit anerkennenden Worten, fairen Argumenten und politischer Standfestigkeit. Zum Beispiel die GRÜNEN in Gießen, die die Ausstellung würdigten und an der Erstellung eines Ausstellungskatalogs festhielten sowie der SPD-Oberbürgermeister Manfred Mutz, der die Erstellung des Katalogs gegen Widerstände durchsetzte. Dagegen hatten der Landeskreis Gießen in der Person des Landrats Rüdiger Veit und der Uni-Präsident Heinz Bauer mit unsäglich dummen ‚Argumenten’ die Finanzierung verweigert. Über all das wird in diesem Band berichtet. Übrigens: eine Delegation der israelischen Partnerstadt Netanya, die seinerzeit die Ausstellung besuchte, fand lobende und anerkennende Worte für die Ausstellung, darunter der aus Gießen stammende Dr. Abraham Bar-Menachem, der am 16. Mai 2012 100 Jahre alt wird, und der seinerzeitige Oberbürgermeister von Netanya Yoel Elroy!

Dagegen haben Prof. Erwin Knauß, Gaby Rehnelt & Adamo, Prof. Dr. Eberhard Jung (SPD), Hermann Hubing (CDU), Dr. Reinhard Kaufmann (F.D.P.), Friedel Eidmann (F.D.P.), Prof. Siemer Oppermann (SPD), Hermann Walldorf (SPD), Dr. Walter Rumpf (Gail'sche Tonwerke), Prof. Dr. Engisch u.a. die Gießener Öffentlichkeit in puncto Jakob Friedrich Zimmer schlicht belogen. Keiner hat dieser Auffassung je widersprochen. Ihnen sind zur Stützung ihrer Lügen beigesprungen: Rüdiger Veit (SPD-MdB), Günter Feußner (SPD), der seinerzeitige Universitätspräsident Prof. Heinz Bauer, Prof. Manfred Dörr u.a.!

Der Katalog zur Ausstellung liegt in zwei gedruckten Fassungen vor. 1990/1991 erstellte die Arbeitsgruppe um Prof. Reimann einen Privatdruck, der in zwei Auflagen erschien:

- Bruno W. Reimann, Angelika Albach, Heiko Boumann, Ralf Fieberg, Susanne Meinl: Antisemitismus und Nationalsozialismus in der Gießener Region. Katalog zur Ausstellung der Arbeitsgruppe "Soziale und Politische Geschichte Gießens". Gießen, Institut für Soziologie, Privatdruck 1991, 2. Aufl. 596 S.

Die Stadt Gießen erstellte aufgrund eines Beschlusses des Gießener Stadtparlaments vom 15.12.1988 einen Katalog, in dem auch die Zimmer-Nachkommen eine Art Gegensicht einbringen konnten. Eine Auseinandersetzung der Zimmer-Nachkommen mit Zimmers politischer Vita von 1918 bis 1937/1940 (als Zimmer in die NSDAP eintrat) erfolgte indes nicht! Der Katalog erschien nach vielem hin und her 1993:

-  Bruno W. Reimann, Angelika Albach, Heiko Boumann, Ralf Fieberg, Susanne Meinl, unter Mitarbeit von Rainer Kah): Antisemitismus und Nationalsozialismus in der Gießener Region (1890-1933). Katalog auf der Basis der Ausstellung in Gießen, Grünberg, Laubach, Schotten. Gießen o.J. (1993).

Dieser Band dokumentiert also nicht die Ausstellung, sondern die Wirkungen und Konflikte, die sich entzündeten! In 8 Kapiteln resp. Ordnern werden die wichtigsten, im Zusammenhang mit der Ausstellung stehenden Ereignisse sichtbar gemacht:

I Die Ausstellung und die Konflikte um die Ausstellung im Spiegel der Presse 1988 bis 1993.

II Die Kommentare zur Ausstellung in Gießen (Altes Schloß, Mensa), Grünberg, Laubach und Schotten.

III Die Debatte im Gießener Stadtparlament am 15.12.1988 über die Ausstellung, Jakob Friedrich Zimmer und die Finanzierung eines Katalogs.

IV Der Aufmarsch der Leumundszeugen für Jakob Friedrich Zimmer - einer log mehr als der andere!

V Gutachten und Stellungnahmen zu Ausstellung und Katalogentwurf.

VII Die Schlammschlacht der Zimmer-Tochter G. Rehnelt & Co.

VIII Die Ausstellung in Laubach – ein neuer Konflikt.

Anhang:

Wie der Gießener Uni-Präsident Heinz Bauer meine Emigrationsforschung temporär behinderte und dann die Keule des Dienstherrn schwang. Ein Lehrstück (oder eine Posse?) in autoritärer Universitätsbürokratie.

Die Universität Gießen ehrt noch immer einen Weimarer Rechtsradikalen und Nazi-Professor, der bereits 1920 als Sympathisant der "Marburger Mordbuben", der Mörder von Mechterstädt, auftrat!

Der „Verein Deutscher Studenten“, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gießen Prof. Altaras und der Pazifist Prof. Horst-Eberhard Richter oder: wie rechte Studentenverbindungen wieder öffentliches Terrain gewinnen

Die Arbeit erscheint in Papierform und als CD-Rom im März 2012. Sie kostet als CD-ROM zehn €, in Papierform mit Heftbindung 25 €.

Zu beziehen über Email-Adresse: bruno.w.reimann@online.de

Zur gleichen Zeit erscheint als Supplement-Band die fast vollständige (man ist ja nie sicher wie bei Wulff, ob nicht doch noch etwas auftaucht) politische Vita von Jakob Friedrich Zimmer 1918 bis 1933/37:

Vom politischen Brandstifer zum Biedermann.

Kostet ebenfalls als CD-ROM 10 €, in Papierform 25 €.