Der Bund Königin Luise – ein Kampfbund der nationalen Frauenbewegung

 

Informationslage

 

Einer Feststellung der Kommunistin und Fotografin Tina Modotti (1896-1942) aus dem Jahre 1932 zufolge gab es 1932 in Deutschland ein „breites Netz .. faschistisch-militärischer Frau­enorganisationen“. Sie nannte den „Königin-Luise-Bund“ (500.000 Mitglieder), den „Deutschen Frauenorden“ (43.000 Mitglieder) und die Frauenabteilung des „Wehrwolf“ (35.000 Mitglieder). Die Zahl für den „Bund Königin Luise“ (BKL), so lautet die richtige Bezeichnung, scheint hoch gegriffen zu sein. Nach einer in der „Roten Fahne“ genannten Zahl umfaßten der BKL und die „Jungdeutsche Schwesternschaft“ zusammen 500.000 Mitglieder. Vielleicht hatte Modotti diese Zahl im Gedächtnis. Zu den faschistischen Frauenorganisationen rechnete sie auch die Frauen­abteilungen der „Deutschen Turnerschaft“ mit 360.000 Frauen, deren Mitglieder verpflichtet waren, an den „faschistischen Paraden“ teilzunehmen (vgl. Modotti 1932, S.) In einer anderen Darstellung, ebenfalls aus dem Jahre 1932, wird ein Wandel in den bislang vorherrschenden Gruppen der Frauenbewegung (Bund Deutscher Frauenvereine, Staatsbürgerinnen-Verband, Proletarische Bewegung, Christlichen Frauen) konstatiert: „Die bündische Frau ist zugetreten, und zwar keineswegs als unpolitisch oder politisch untätige Erscheinung. Mit der allgemeinen politischen Umstellung auf ‚rechts’ trifft das Licht des Interesses auf diese Frauengruppen, die sich bemühen, das etwas brüchig gewordene gewordene Harzburger Bündnis von sich aus zu gestalten.“[1] Genannt werden drei große Frauenbünde der nationalen Frauenbewegung: der „Bund Königin Luise“, die „Nationalsozialistische Frauenschaft“ und der „Ring Nationaler Frauenbünde“. Nach dieser Darstellung umfaßte der BKL Mitte des Jahres 1932 2611 Ortsgruppen mit 108.196 Mitgliedern. Die Führerinnen der Ortsgruppen waren oftmals die Frauen dekorierter Soldaten.

 

Wenn man ver­sucht, diese Zahlen zu verifizieren, stößt man auf ein Vakuum in der Forschung. Über die Frauenorganisationen, die als Vorreiter der faschistischen Bewegung fungierten, ist wenig bekannt. Das Thema ist sowohl von den Geschichts- und Sozialwissenschaften wie von einer historisch gerichteten Frauenforschung ausgeklammert worden. Den ersten erschienen jene mögli­cherweise als zu unbedeutend; die letztere nahm die Existenz einer rechten und nationalso­zialistischen Frauenbewegung überhaupt nicht zur Kenntnis, weil sie ihrem idealisierten Bild von der Rolle der Frauen in der Geschichte des bürgerlichen Zeitalters widersprach. Die Existenz einer nationalen Frauenbewegung wurde schlichtweg nicht zur Kenntnis genommen. In der Gesamtdarstellung von Rosemarie Nave-Herz "Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland" von 1982 (in einigen Auflagen erschienen, auch von den Landeszentrale für politische Bildung in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz herausgegeben) kommt die nationale Frauenbewegung gar nicht vor; für Nave-Herz existieren nur die bürgerliche und die proletarische Frauenbewegung. So teilt auch die Geschichtsschreibung der Frauen alle Züge der deutschen Geschichtsschreibung des Nazismus: blinde Flecken, Ausklammerung, Schönung und Schonung.

 

Der folgende Beitrag versucht die politische Rolle, die der Bund Königin Luise gespielt hat, aufzuhellen. Die Literatur zu diesem Thema ist mehr als spärlich; es gibt einen einzigen Beitrag von Eva Schöeck-Quinteros in dem Sammelband ""Ihrem Volk verantwortlich", Frauen der politischen Rechten (1890-1933)" (Berlin 2007). Das Wissen über diesen Bund ist fragmentarisch und spiegelt die Quellenlage wider. Vermutlich sind wichtige Akten durch Kriegseinwirkung verloren gegangen. Was wir wissen, wissen wir vor allem aus den Akten des Reichskommissars zur Überwachung der öffentlichen Ordnung, zu dessen Aufgaben es gehörte, politische Organisationen der Rechten und Linken zu beobachten. Aber auch diese Informationen sind lückenhaft. Es gibt einige Publikationen von führenden Mitgliedern des BKL, die aber eher auf Selbstdarstellung angelegt sind. Sie enthalten eine Reihe von Informationen über die Ideologie, Struktur und Entwicklung des Bundes.

 

Die gegenmoderne Offensive der Frauen

 

Wie alle völkischen Vereine ist auch die Gründung des BKL im Kontext einer breit angelegten Offensive der nationalen Rechten gegen den politischen und sozialen Wandel, wie er sich nach dem verlorenen Weltkrieg und dem Untergang des Wilhelminischen Reiches vollzieht, zu begreifen. Der Bund wurde im Mai 1923 in Halle a. d. Saale auf Aufforderung des „Bundes der Frontsoldaten“ Stahlhelm von acht Frauen gegründet. Er nennt sich nach der preußischen Königin Luise (1776-1810) „Königin Luise Bund“ und knüpft an den „Luisenkult“ (Philipp Demandt) an. Im „Stahlhelm“ heißt es: der BKL sei die „Schwester-Organisation“ des „Stahlhelm“, „Wehrwolf“, „Scharnhorst-Bundes“. Mit diesem Bund sollten nicht nur die Frauen der Männer dieser Bünde organisiert werden, sondern darüber hinaus alle deutschen Frauen und Mädchen. Mitglied konnten Frauen über 17 Jahren werden. Für die Mädchen ab 14 gab es den „Jungmädchen BKL.“ Die Gliederung des Bundes umfaßte 30 Gaue, die 1925 mit einer Ausnahme besetzt waren. Von 29 Gauleiterinnen waren neun adlig. Der BKL umfaßte 1925 bereits über 500 Ortsgruppen mit 50.000 Mitgliedern. 

 

Der BKL breitete sich von Mitteldeutschland in verschiedenen Etappen über ganz Deutschland aus. Zunächst wurden Ortsgruppen gegründet, dann die Gaue und schließlich die Landesverbände. Auch an den Ostgrenzen entstanden zahlreiche Ortsgruppen. Die erste Ortsgruppe war Halle, der erste Gau der Gau Elbe-Elster. Danach folgten die Gaue Saale, Magdeburg, Halberstadt. 1925 gab es 42 Gaue mit zahlreichen Ortsgruppen. Der Gau Groß-Berlin umfaßte 1925 drei Ortsgruppen mit 70 Mitgliedern, die von Frau Else Mackeldey (geb. Düsterberg), der Schwester des Stahlhelm-Bundesvorsitzenden Major Theodor Düsterberg geleitet wurde. Vielfach nahmen an den Veranstaltungen des Königin Luisen Bundes nicht nur Mitglieder des Stahlhelm, sondern auch der NSDAP teil (so z.B. in Darmstadt am 24.11.1925). Der Bund faßte schnell in ganz Deutschland Fuß. Bereits im Januar 1926 war er, neben den beiden völkischen Frauenorganisationen „Deutscher Frauenorden“ und „Luisen-Orden“, auch mit einigen Ortsgruppen in Baden vertreten. Aber auch im Norden, in Bremen, trat er im März 1926 mit Veranstaltungen auf. 1927 gründete die Bundesführerin Landesverbände.

 

Für die politischen Behörden war zuallererst von Bedeutung, ob der BKL eine politische Organisation ist. So mußte das sächsische Ministerium des Innern die Frage entscheiden, ob – wie es in einem Schreiben an den Reichskommissar zur Überwachung der öffentlichen Ordnung vom 5.3.1926 hieß – „der K.L.-B als eine politische Vereinigung anzusehen ist.“ Dem Ministerium lag eine Mitteilung vor, demzufolge „der Königin-Luise-Bund eine Unterorganisation des Bundes ‚Stahlhelm’ (ist)." Es richtete die folgende Bitte an den Reichskommissar: „Das Ministerium des Innern bittet aber mit Rücksicht auf die besondere Bedeutung, die diese Angelegenheit hier erlangt hat, nochmals um Mitteilung, ob dort Material vorhanden ist, das für die Entscheidung der Frage bedeutungsvoll sein könnte.“ In dem Antwortschreiben des Reichskommissars wurde ein kurzer Bericht über den BKL gegeben: Der Bund bezeichne sich als „Schwesterbund der Vereinigungen Stahlhelm, Wehrwolf und Scharnhorst, er erstrebe den Zusammenschluß aller deutschen Frauen und Mädchen ab dem 17. Lebensjahr; für jüngere Mädchen gebe es eine Jungmädchengruppe; der Bund ist in 30 Gaue gegliedert, hatte nach eigenen Angaben im Mai 1925 480 Ortsgruppen vorwiegend in Mittel- und Norddeutschland. „Was die politische Einstellung betrifft, so dürfte der Königin Luise-Bund ebenso zu beurteilen sein, wieder Bund Stahlhelm. Der Bund Stahlhelm bezeichnet sich neuerdings selbst als eine politische Bewegung.“ Auch andere Polizeiorganisationen (Baden, Bremen) stuften den BKL aufgrund der Tatsache, daß ihn die lokalen Vorsitzenden des Stahlhelm als „Schwesterorganisation“ desselben bezeichneten, als „politisch“ ein, auch wenn er politisch noch nicht hervorgetreten war. Aus Karlsruhe wurde berichtet, daß sich die Ortsgruppe des BKL „fast an jeder Kundgebung oder Versammlung der NSDAP“ beteiligt. Einer Meldung der Deutschen Zeitung zur 3. Bundesversammlung im Jahr 1926 zufolge fand der BKL bei den Frauen erheblichen Zuspruch (DZ 18. Mai 1926). Ein Professor v. Wolff umriß die Aufgaben des nationalen Bundes in seinem Vortrag „Politisch, aber nicht parteipolitisch“. Zu den Vortragenden gehörte auch Ilse Hamel, eine völkische Protagonisten, die zusammen mit Beda Prilipp die „Deutsche Frau“ herausgab. Nach einem Bericht von 1927 umfaßte der Bund 500 Ortsgruppen mit insgesamt ca. 50.000 Mitgliedern. Anfang Januar 1928 ist die Rede von 60.000 Frauen. In diesen Jahren gibt es viele Meldungen über neue Ortsgruppen in ganz Deutschland, verstärkt auch im Süden. Werbeabende mit 300 Personen sind keine Seltenheit. Wiederholt wird betont, Ziel des Bundes sei die „Erziehung zum Deutschtum unter Ausschaltung politischer Sonderbestrebungen“.

 

In den ersten Jahren kam es zu Reibereien zwischen dem Stahlhelm und dem BKL. Es ging um die Frage des Verhältnisses zueinander. Der BKL, vom Stahlhelm zwar gegründet, hatte sich aber in Richtung größere Unabhängigkeit vom Stahlhelm entwickelt. So wurden seitens des Stahlhelm gezielt, eigene Frauenbünde gegründet, um gegen BKL ein Gegengewicht zu setzen. In den Polizeiberichten heißt es durchgängig, der Bund sei die „Frauengruppe des Stahlhelm“ (BArch Berlin R 1507/395). Indes scheinen aber über eine Reihe von Jahren hinweg der Bund König Luise und der Stahlhelm-Frauenbund nebeneinander existiert zu haben. Im Jahr 1927 gab es zwischen den Frauen des BKL und der Stahlhelm-Leitung verschiedentlich Reibereien darüber, wer sich wem unterzuordnen habe. Einem Bericht vom Januar 1928 zufolge (vgl. BArch) gab es in Berlin eine Ortsgruppe des BKL, die sich nicht der Stahlhelm-Leitung unterordnen wollte. v. Stephani erklärte für die Stahlhelm-Leitung: „Es gehe aber auf keinen Fall, daß sich der „Stahlhelm“ von Frauen regieren lassen. Er habe es daher für richtig gehalten, innerhalb des Landesverbandes den „Stahlhelm-Frauenbund“ neben dem „Königin-Luisebund“ aufzuziehen.“ So entstanden nicht nur in Berlin, sondern auch anderswo Stahlhelm-Frauenbünde (vgl. dazu: Stahlhelmfrauen-Arbeit. In: Der Stahlhelm, 2. April 1933).

 

Der Bundesführer des Stahlhelm, Oberstleutnant Düsterberg, wollte in einer Rede im Oktober 1927 diese Rivalität und Reibereien schlichten. Seine Rede kann als programmatische Erklärung der Stahlhelm-Führung verstanden werden, wie sie sich die Zusammenarbeit von Stahlhelm und BKL vorstellt. In der Rede wurden Konzessionen an die relative Selbständigkeit des Bundes gemacht. Der Bund Königin Luise sei eine „selbständige Organisation neben dem „Stahlhelm“ unter eigener Frauenführung“ (DZ, 30.10.1927). Düsterberg führte u. a. aus, „ .... die Führung von Tausenden von Frauen aller Schichten unseres Volkes (bedarf) einer behutsamen Frauenhand und darüber dürfte wohl kein Zweifel bestehen, daß auch die besten Frauenkenner die Schwierigkeiten des Frauencharakters nicht so übersehen, wie eine erfahrene Frau es tun kann. Wenn die hier und da gebildeten Stahlhelmschwesternschaften wirklich etwas Großes leisten wollen, brauchen sie eine zentrale Frauenführung, die in Frauenfragen selbständige Anordnungen treffen muß, d.h. neben dem Stahlhelm entsteht auch auf diese Wege allmählich ein neuer selbständiger Frauenbund. Schwesternschaften des Stahlhelm ohne zentrale Führung kommen über örtliche Bedeutung nicht hinaus.“ (ebd.) Der BKL erziehe die „deutschen Frauen.., die nicht als Vereinsmitglieder, sondern als geistige Kämpferinnen gegen den neudeutschen Geist unserer Zeit, gegen die Vergiftung der deutschen Seele, die Verunreinigung der deutschen Kunst, Literatur, Theater und Presse ankämpfen.“ (ebd.) Der BKL leiste „politische Arbeit“, im Kampf gegen die Kriegsschuldlüge und gegen das Diktat von Versailles, gegen „Deutschlands Knechtschaft“ (ebd.). In diesem Sinne bekräftigten Graf zu Dohna, Rittmeister von Morozowicz, Graf von Schulenburg auf einer „Grenzmarktagung“ im Juli 1929 die Zusammenarbeit des Stahlhelm mit der nationalen Frauenorganisation (DZ, 15.7.1928) Als im Juli 1928 anläßlich eines Landesverbandstages des BKL ein Geistlicher mit dem Talar über der Stahlhelm-Uniform, das Eiserne Kreuz auf der Brust, in der Potsdamer Garnisonkirche eine Rede hielt, sprach der sozialdemokratische „Volkswille“ von einer „faschistisch-kirchlichen Provokation“ (Volkswille, 12.9.1928) Zu dieser Tagung überbrachte die DNVP-Abgeordnete Dr. Elisabeth Spohr die Glückwünsche des Reichsfrauenausschusses der Deutschnationalen Volkspartei. (vgl. Deutsche Frau, 22. Jg., Nr. 14, 15. Juli 1929)

 

Auf einer Berliner Landesverbandstagung des BKL nahm dessen Schirmherrin, die Kronprinzessin Cecilie von Preußen (1886-1954), die Weihe der neuen Wimpel vor. Die Kronprinzessin hatte schon bald nach Gründung des BKL die Schirmherrschaft übernommen. Auf dieser Tagung bekräftigte ein Stahlhelm-Vertreter die politische Mission des BKL, daß nämlich die „Reinigung der deutschen Kultur... nur durch die Frauen vorgenommen werden könne, deren Aufgabe es ist, das zu errichtende dritte deutsche Reich zu untermauern, zu sichern und zu betreuen“. Längst hatte sich, trotz strategischer Differenzen, ein Schulterschluß von Stahlhelm, DNVP und NSDAP vollzogen, wie er sich dann 1931 in der Harzburger Front manifestierte. An einem anderen Abend trafen bei einem Teeabend „im gemütlichen Heim von Frau Geheimrat Hueck“ die Großmeisterinnen des „Deutschen Frauenordens“ mit der Kronprinzessin zusammen. Auch die DVP-Politikerin Clara Mende war mit von der Partie (vgl. Hamel, Ilse: Verbunden im Dienst am Volk und Vaterland. In: Die Deutsche Frau, 23. Jg., 15. Oktober 1930, S.466) Trotz unterschiedlicher Organisationen und ideologischer Differenzierungen wird hier eine Phalanx sichtbar, die an einem politischen Strang zog.   

 

Der Bund wuchs rasch an, vor allem im Jahr 1930 vollzog sich eine große Mitgliedersteigerung um etwa 1/3. Er hatte im Jahr 1933 etwa 200.000 Mitglieder[2], so daß Charlotte von Hadeln, die zweite, 1931 gewählte, Vorsitzende, in ihm die organisatorische Verkörperung der „größten nationale Frauenbewegung“ (H, 1933, Mussolini, 9) sah. Die Satzung nennt zwei Ziele: „die Erziehung des weiblichen Geschlechts zur Mithilfe an dem großen Befreiungswerke Deutschlands von inneren und äußeren Feinden im Sinne unserer Vorfahren von 1813 und unserer unvergessenen Königin Luise“ und: die „unentwegte Förderung und Verbreitung des nationalen Gedankens“ (Satzung BArch). Die Gründerinnen begreifen ihn als „nationalen Frauenbund“ (Gaertner 7), errichtet „auf christlicher Grundlage, ohne Bindung an Konfessionen und Parteien“ (ebd.). Er war gedacht als „Sammelbecken“ (ebd.) völkischer, nationaler Frauen.

 

Mit dieser völkischen Zielrichtung ist eine Kritik am Habitus und Erscheinungsbild der modernen Frau verbunden: Das „überschlanke Mannsweib als Tagestyp“ mit dem „kurz geschorenes Haar“, rauchend, zügellos, ausschweifend, ehebrecherisch, wird perhorresziert. Dieser modernen Frau gelten die „Kinder .. als lästig“. Und: „Was galt noch Volk und Vaterland!“.  

 

In den Berichten wird, ähnlich wie in den Berichten der Alten NS-Kämpfer, der „Kampf“ in den Anfangsjahren dramatisiert, das Schwierige, vielfach Aussichtslose herausgestellt, der „Idealismus“ der ersten Mitglieder gepriesen: „Der Bund bot keine Versorgung, keine Anwartschaft auf eine lohnende Anstellung....“ (Gaertner 1934, 9). Die Mitglieder des Frauenbundes bezeichnen sich nicht als „Mitglieder“ oder „Bundesschwestern“, sondern verstanden sich, in Anlehnung an das „Kameradschaftsverhältnis“ soldatisch kämpfender Männern, insbesondere der Frontkämpfer, als „Kameradinnen“. Vielfach folgten diese rechten Frauengruppen im Verständnis und im Aufbau ihrer Gruppen den Mustern der Männerbünde: starker Zusammenhalt im Inneren, straff aufgebaute Organisation, straffe Führung, gemeinsame Uniform, d.h. „einheitliche Tracht“. So schreibt 1934 Franziska von Gaertner im Rückblick: „Es war etwas Neuartiges, etwas so ganz anderes als jeder andere Frauenverein“ (Gärtner, 8) Dieses Neue war der bündische, auf „Tat“ eingestellte Charakter des Verbandes, der immer wieder als „Kampfbund“ bezeichnet wurde.

 

Dieses Neue wurde dann in den Debatten ab 1933 verstärkt in den Vordergrund gestellt, auch im bürgerlichen „Bund Deutscher Frauen“ (BDF), der 1933 einen Schwenk vollzieht. Ein programmatischer Artikel in der BDF-Zeitschrift „Die Frau“ trägt den Titel „Vom „Frauenverein“ zur „bündischen“ Tatgemeinschaft“[3]. Dieser Artikel stellt eine Antwort auf einen bereits in der Januar-Nummer erschienenen Artikel („Neue Formen der Verbundenheit“) dar, der bereits diese Thematik anschnitt. Es markiert die Situation des BDF Anfang des Jahres 1933. Margarete Treuge, die Verfasserin des Artikels, meint, daß für eine „vertiefte Besprechung“ dieser Thematik „keine Zeitschrift in Deutschland dafür so geeignet, ja vorbestimmt (ist), wie „Die Frau“...“[4] Was also sind  die „neuen Formen der Verbundenheit“? Es geht nach Treuge um eine "neue sich bildenden Frauenfront". Sie beschwört die Kraft der äußeren Zeichen, der Erkennungszeichen auf dem Wege zur „Gemeinde“, sei es den brüderlichen Gruß, das Abzeichen (als Hakenkreuz oder den Sowjetstern). Drei Momente kennzeichnen dieses „Streben nach Gemeinschaft“: Einbau des „zeitgebundenen Ich“ in ein „größeres, ewiges Dasein“, „Verteidigung des Gemeinschaftsgutes“, dee „Wunsch nach Tat“. Der Bund geht ins „Politische“, ohne daß dieses Politische zu eng zu fassen sei. Als dessen Kern wird festgehalten: der Aufbau des „Reichs“. Der „Wille zur Tat“ manifestiere sich im Kampf, nicht nur im geistigen, sondern auch im praktischen, „der sich aber auch dem Gegner stellt, seiner Herausforderung begegnet, ihn zur Strecke zu bringen sucht...“ Auf diese Weise wird die „Front des Ringens“ zu einer „Front des Sieges“. Zwar reiht die Frau sich ein in die „Kampffront gesinnungsverwandter Männer“ ein, behält aber gleichwohl „das Bewußtsein eigener, den Frauen gestellter Aufgaben“, damit auch ihre eigene Form der Organisation: „So wird jeder Zusammenschluß der Frauen als Schwesternschaft weiter bestehen und in jedem Bund, Orden, jeder politischen Organisation, eine besondere Sendung, eine besondere Aufgabe zu erfüllen haben.“ Was Treuge hier in diesem kurzen Ergänzungs-Artikel formuliert, ist der ideologische Schwenk auf die Linie der rechten nationalen Frauenkampfbünde, wie sie sich BKL und im „Ring Nationaler Frauenbünde“ manifestiert.

 

Öffentliches Auftreten, politische Betätigung

 

Ende der 20er Jahre ging der BKL vielfach in die politische Offensive. Dazu gehörte auch das vehement antisemitische Auftreten. 1929 trat die Rittergutsbesitzerin von Buddenbrock auf einer lokalen Versammlung des BKL mit antisemitischen Hetztiraden auf: „Vor dem Kriege lag die Regierung in den Händen deutscher Männer, heute werden wir von Juden regiert. Diese sind keine Menschen, sondern Lumpenpack. In den Klubsesseln sitzen nur durch Bazillen verseuchte Männer und Eiterbeulen. Wir wollen uns nicht von Krummnasen, Kraushaaren und Plattbeinen regieren lassen und nicht zuletzt von einem Grzesinski, dem unehelichen Sohn eines Juden Cohn, der von seinem Stiefvater später adoptiert wurde.“ (zit. in Vorwärts, 20.9.1929) 

 

1929 nahm die Jugendgruppe des BKL an einem Aufruf teil, in dem gegen die Versailler Zahlungsverpflichtungen und insbesondere gegen die „Verknechtung von Generationen“ der Protest erhoben wurde. Im Februar 1930 sandte der Landesverband Groß-Berlin eine Drahtnachricht an den Reichspräsidenten Hindenburg. Hindenburg wurde gebeten, dem Young-Plan seine Unterschrift zu versagen. In dieser Nachricht hieß es: „Deutsche Mütter könnten nicht zustimmen, daß ihr Kinder und Kindeskinder versklavt werden.“ (DZ, 15. Februar 1930)

 

Die öffentlichen Auftritte des BKL, vor allem aus Anlaß von Verbandstagungen, wurden zu herausragenden Ereignissen. Meist war der Stahlhelm mitbeteiligt und sorgte für das militärische Ritual. Auch die Vaterländischen Vereine waren stets mit von der Partie. Ein weiterer unentbehrlicher Faktor in den Aufzügen der Rechten war die Kirche, die das Ganze psalmodierend und schwadronierende überhöht und der völkischen Rechten ideologisch beisprang: „Im Sinn der Königin Luise, die mit Ehrfurcht ihren Gott suchte, sei eine starke Mauer und Front zu bilden, die dem Volke Reinheit, Sitte und Zucht wiedergeben“ – so der Superintendent Rathke auf der 2. Landesverbandstagung 1930 in Stettin. Stets war es ein Höhepunkt der BKL-Tagungen, wenn die Schirmherrin des Bundes, Kronprinzessin Cecilie, zugegen war. Sie riß das Volk, das Monarchie nachtrauerte, zu Begeisterungsstürmen und „Heilrufen“ hin. Cecilie war an den meisten überregionalen Tagungen des Bundes zugegen.

 

Wenn man heute die Reden liest, die auf dieser oder anderen Tagungen, auch von anderen rechten, völkischen Gruppen, gehalten wurden, dann schüttelt man unwillkürlich den Kopf  angesichts der Verquastheit, angesichts des religiösen und völkischen Kauderwelches, der mit stets hoch angesetzten und feierlichem Ernst ausgebreitet und zelebriert wurde. Er spottet jedes intellektuellen Niveaus. Aber die gebetsmühlenartigen Wiederholungen der Hochpreisung des Nationalen, des Opfers hatten soziale Wirkungen. Sie stimmten die Menschen auf frag- und klagloses Opfer-Dasein ein. Hierin dürfte das schaurige „Verdienst“ eines Bundes wie des BKL liegen, daß er zweihunderttausend Frauen ideologisch imprägnierte, auf den Kurs von Gebärmaschine und Schlachtlamm brachte. Auf jener Tagung hieß es im Beitrag der Landesführerin von Pommern-Grenzmark, Frau von Wedel, u.a.: „So soll der Bund Königin Luise als stärkste Hilfe neben den Frontsoldaten stehen. Es liegt eine tiefe seelische Gemeinschaft zwischen Müttern und Soldaten. Mütter und Soldaten sind bereit, für neues Leben der Nation durch Not und Schmerz, und wenn es sein muß, durch den Tod zu gehen.“[5]

 

Solche Positionen waren nun aber nicht exquisite Schöpfungen des Luisen- Bundes, sie fanden sich auch im bürgerlichen Lager, bei Sozialistinnen und gestandenen Feministinnen. Was Lilly Braun, die der proletarischen Frauenbewegung zugerechnet wird, 1915 zu Papier brachte[6], unterschied sich in nichts von bestimmten Positionen der völkischen Frauen. Der Krieg von 1914, so Braun, vernichte mit einem Schlage die „Effeminierungserscheinungen“, zerstöre das „hohle Weltbürgertum“, den „sentimentalen Pazifismus“ der Frauen, „ihren törichten Traum von der Schwesternschaft aller Menschen weiblichen Geschlechts“. Die Friedensbewegung sei weggefegt, „zum Spott der Kinder geworden.“ Braun kritisiert den Geburtenrückgang, der die Chancen der Kriegsniederlage erhöht, und begreift ihn als „persönliche Schuld“ der Frauen. Es sei an den Frauen, „zu sich selbst, dem heiligsten Gesetz ihrer Natur zurückzukommen, durch den starken, bewußten Willen zur Mutterschaft“. Und so ruft sie den Frauen zu: „Für jede Hand, die sich sterbend um die Waffen klammert, schafft andere Hände... Und für alle Hirne, die die Kugeln durchbohren, schafft andere Hirne, viele kleine Kinderhirne...“ (101) Auch wenn sie hinzufügt, daß diese Hände in der Zukunft den „Tempel des Friedens“ bauen werden und „den großen Gedanken von der Befreiung der Menschheit“ zu Ende denken werden, ändert das nichts an der Tatsache, daß sie mit ihren martialischen Argumenten jenes Fernziel bereits widerlegt. Ihr Programm von den Frauen als Gebärmaschinen, welche die Kriegsverluste kompensieren, bewegt sich auf dem mentalen und ideologischen Territorium der nationalen Volksmütter des BKL. Man wird sich von einigen liebgewordenen Denkgewohnheiten der "bewegten" Frauen frei machen müssen, daß bestimmte ideologische Topics exklusiv in den rechten Zonen positioniert sind. Sie laufen vielfach, wenn auch mit unterschiedlichem Gewicht, durch alle Lager und finden sich auch und gerade im „bürgerlichen“ Lager, in den bürgerlichen Frauenvereinen, im Bund deutscher Frauenvereine und ihrer Zeitschrift „Die Frau“. In der Rede von der „bürgerlichen Frauenbewegung“ meinte man eine vermeintlich sichere Demarkationslinie zu besitzen. Indes gab es in dieser nicht nur nationale, sondern auch nationalistische, antisemitische Elemente.

 

Im November 1930 schloß sich der BKL mit einer Reihe nationalistischer Verbände (Alldeutscher Verband, Nationalverband Deutscher Offiziere, Reichsoffizierbund, Stahlhelm, Deutschbanner Schwarzweißrot, Deutschnationaler Volkspartei, Nationalsozialisten, Jungdeutschlandbund, Kyffhäuserbund, Deutscher Offizierbund, National Nothilfe) zusammen, um den Kampf gegen die Politik des Reichswehrministeriums und gegen Preußen aufzunehmen (vgl. DZ, Nr. 269b, 15/11.1930).

 

Wenig später beteiligte sich der BKL an einer Entschließung, die forderte, aus der ostdeutschen Bevölkerung heraus einen Grenzschutz zu bilden, „der ohne Eingriff der Regierung die Verteidigung der Grenzen übernehmen kann.“ (DZ, Nr. 275 b, 24. Novmber 1930). 

 

Die Bundesversammlungen waren oft auch ein Stelldichein der völkischen Rechten. So referierte auf der Bundestagung 1931 der völkische Schriftsteller und Dr. phil. Boguslaw von Selchow, der Führer des berüchtigten Marburger Studentencorps (Stukoma), welches als studentische Zeitfreiwilligenkompanie nach den im Zusammenhang mit dem Kapp-Putsch entstandenen Arbeiterunruhen im März 1920 nach Thüringen gezogen war, dort 15 Arbeiter arrestierte und diese „auf der Flucht“ erschoß. Auch Edith Gräfin Saalburg war mit von der Partie und las aus einem ihrer Werke. BKL, Stahlhelm und der Verband der Vaterländischen Verbände versicherten sich bei solchen Gelegenheiten die Gemeinsamkeiten ihrer Kampfziele.   

 

Bei den beobachten Behörden tauchte auch immer wieder die Frage auf, in welchem Verhältnis der BKL zum Stahlhelm stehe und ob er als politische Organisation einzustufen sei. In einer Stellungnahme Anfang Januar 1932 – es handelt sich um eine Durchschrift, die den Namen des Verfassers (Kuntze), nicht aber den Namen der Organisation trägt – wird herausgestellt, daß der BKL eine „selbständige, neben dem Stahlhelm stehende Frauenorganisation (ist)“ (BArch Berlin, R 1501, Nr. 125982, Königin Luise-Bund, Bl. 15), zumal der Stahlhelm einen eigenen „Stahlhelm-Frauenbund“ hat und der BKL in einem Stahlhelm-Handbuch gar nicht erwähnt wird. Über die Frage, ob der BKL eine politische Organisation sein, könne nach Meinung des Referenten nicht abschließend geurteilt werden: „die Ansichten darüber gehen auseinander.“ Allerdings werden in dem Schreiben eine Fülle von Bedenken vorgetragen, „dem KL-Bund uneingeschränkt zu bescheinigen, daß er keine politische Organisation“ ist (ebd., Bl. 16, Rückseite). Eine Reihe von politischen Aktionen, an denen der BKL beteiligt war, sprechen eine deutliche Sprache. Im Januar 1932 forderten sechzehn nationale Frauenverbände das Recht Deutschlands auf „Wehrhoheit“. Zu diesen Verbänden gehörte neben dem BKL, der Reichsfrauenausschuß der Deutschnationalen Volkspartei, der Ring Nationaler Frauen, der Bund deutscher Pfadfinderinnen, die Frauengruppe des Alldeutschen Verbandes und des Deutschen Offiziersbundes, der Stahlhelm-Frauenbund (vgl. DZ, 14. Januar 1932). Zum zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl im Frühjahr 1932 – bei dem ersten Wahlgang hatte Hindenburg mit 49,6% die absolute Mehrheit knapp verpaßt -, hatten Stahlhelm und DNVP die Parole ausgegeben, sich nicht mehr an der Wahl zu beteiligen, was in nationalen Kreisen zur Entrüstung führte. Die schlesische Führerin des BKL, Freifrau von Buddenbrock, erklärte, daß gewählt werden müßte, „steht doch ein Vertreter des nationalen Deutschlands gegen das System, und es ist absolut nicht gleichgültig, ob sich der zahlenmäßige Abstand der nationalen Front vom System verringert oder etwa vergrößert.“ (Völkischer Beobachter, 31. März 1932) Sie empfahl, „dem einzigen Kandidaten auf der Rechten (das war Adolf Hitler – B.W.R.) ihre Stimmen zu geben.“ (ebd.) Prompt erhielt die Freifrau ein Lob des Völkischen Beobachters ob ihrer „politischen Einsicht“.  

 

 

Ideologie und Struktur

 

Obgleich der Bund auch sozial-karitative Aufgaben wahrnahm (z.B. Einrichtung von Volksküchen, Betreuung verelendeter Kinder, Verschickung von Großstadtkindern, Schaffung eines eigenen Erholungsheimes in Wernigerode), so war dies nach eigenem Bekunden nicht das Hauptgebiet seiner Betätigung. Sein Hauptziel war ein ideologisches: die völkische Erziehung der Frauen, „in die verwirrten, verhetzten Frauen den Gedanken der Kameradschaft, der Volksgemeinschaft hereinzutragen“ (Gärtner, 13) Im Mittelpunkt standen das Eintreten für Wehrhaftigkeit, die Pflege des Heldentums des Weltkriegs, „Rassenpflege und Eugenik“, „Kampf gegen die Gottlosenbewegung“ (Gärtner 15), Pflege des „ererbten Brauchtums“. Zur ideologischen Agitation gehörte, wie bei allen anderen rechten Organisationen, der Kampf gegen die „Kriegsschuldlüge“, gegen den Dawes-Plan und Young-Plan. Indes war der Bund Königin Luise im eigenen Verständnis mehr als eine „bloße Gesinnungsgemeinschaft“ (G14). Er war nach dem Vorbild männerbündischer Organisation ein Ort der Sozialisation, der Einübung von bündischen Verhaltensweisen sowohl auf Seiten der Führerinnen wie der Geführten. Im Zentrum dieser Einübung stand „Führertum und Gehorsam“ (G 15). Der Bund war also ein Ort der Sozialisation von völkischen Kadern: „Die Führerinnen im Bund Königin Luise lernten Verantwortungsgefühl und Pflichttreue gegenüber ihrer Gefolgschaft, die Gefolgschaft wiederum bedingungslose Treue und Vertrauen zu den Führerinnen.“ (G 15) Hier wurden die Kader geschaffen für den Tag X der deutschen Erhebung, der im Bewußtsein aller rechten Gruppen eine große Rolle spielte. Alle diese Gruppen arbeiteten auf die eine oder andere Weise auf diesen Tag hin, der im Bereich der politischen Imaginationen und Visionen angesiedelt war.

Der BKL ist von Anfang rassistisch an ausgerichtet: Aus „instinktivem rassischen Empfinden“ (Gaertner ebd. 8) nimmt der Bund keine „Jüdinnen und Fremdstämmige“ auf (ebd. 8). „Rassenhygiene“ ist ein erzieherischer Programmpunkt. Im Jahr 1931 spricht einer der akademischen Vorkämpfer der „Rassenhygiene“, Prof. Dr. Hans Günther (Jena) zu den Jugendwarten und Landesführerinnen des BKL (Sonne, 358).

 

In der Satzung des Landesverbandes Sachsen des BKL werden drei Ziele genannt: „Erziehung zum Deutschtum auf dem Boden der Volksgemeinschaft, Überbrückung des Klassengegensatzes und soziale Hilfe.“ In der Bilanz des 10jährigen Bestehens wird über die soziale Zusammensetzung folgendes berichtet: „Über zwei Drittel aller Kameradinnen des Bundes gehören dem Arbeiter- und kleinen Mittelstand an, fast drei Viertel sind werktätige Frauen aller Bildungsgrade...“[7] Offenbar konnte der KBL, wie andere rechte Organisationen auch, Frauen unterer sozialer Schichten für sich gewinnen.

 

Als sich 1933 der Nationalsozialismus politisch durchsetzte, interpretierten viel rechten Gruppen ihre Geschichte als Teil der Vorgeschichte des Nationalsozialismus. Man wollte auf diese Weise teilhaben an der in ihren Augen „großen“ Geschichte. Auch die von Franziska von Gaertner 1934, nach Auflösung des BKL verfaßte Geschichte folgt diesem Deutungsmuster. So heißt es, die Verschickung von Großstadtkinder habe man seit 1923 vorgenommen, "um dem werdenden dritten Reich einen gesunden Volksstamm zu schaffen.“ (Gaertner, 16) Wie verschiedentlich gezeigt wurde, gab es viele Überschneidungen und Schnittmengen des BKL mit dem Nationalsozialismus. 1933 feierte der BKL an vielen Orten den „Wahlsieg des nationalen Deutschland“.  Gaertner berichtet, daß in den Jahren 1933/34 die Ortsgruppen im Ausland, in Amerika und Afrika, einen „tapferen Kampf gegen die Lügenpropaganda marxistisch-jüdischer Schriftsteller“ führten und für Hitler und den Nationalsozialismus eintraten (Gaertner, 17) 1933 ist für den BKL das politische Ziel erreicht:„Als dann nach 10jähriges Kampfeszeit der Führer kam, für den der Bund Königin Luise Vorarbeit geleistet hat, da stellte er sich heißen, aufrichtigen Herzens unter die Hakenkreuzfahne...“ (Gärtner, 11)

 

Die Bundesführerinnen

 

Die Protagonistinnen der nationalen völkischen Szene sind durchweg bemerkenswerte, „starke“ Frauen aus den bürgerlichen Schichten (beim BKL spielen überdurchschnittlich adlige Frauen eine Rolle), die sich durch hohe Bildung, Selbständigkeit und Initiative auszeichnen. Die erste „Bundesführerin“ des BKL ist Marie Netz.[8] Marie Netz (geb. Frantz) wurde am 14. Dezember 1861 in Worbsfeld auf dem Eichsfelde (Thüringen) als 5. Kind eines Landrats geboren. Vom 13. bis zum 18. Lebensjahr besucht sie eine höhere Mädchenschule im Stift Keppel. Sie ging dann für ein Jahr nach England, nach zwei weiteren Studienjahren macht sie das Lehrerinnen-Examen. Obgleich sie schon bald heiratet, geht sie als Erzieherin an die Riviera, lernt die italienische Sprache, macht Studienreisen nach Venedig, Florenz, Rom, Siena, Assisi, hält darüber Vorträge in Deutschland. 1893 gründet sie mit ihren beiden Schwestern eine höhere Mädchenschule in Wernigerode, an der sie 16 Jahre unterrichtend, organisierend, leitend wirkt. 1909 zieht es sie in die Ferne, sie geht nach China, findet Anschluß bei einer deutsch-protestantischen Mission, lernt chinesisch, unterrichtet Kinder der amerikanischen Mission in deutscher Sprache und auch chinesische Kinder in einer Missionsschule. Sie wird an eine Vorbereitungsanstalt für die Universität berufen, führt 100 junge Männer in deutscher Sprache zur Universitätsreife. 1919 werden alle Deutschen von den Engländern aus China ausgewiesen. Es scheint, daß die Nachkriegsverhältnisse Marie Netz politisiert haben. Sie wird Geschäftsführerin der deutschnationalen Frauengruppe in Göttingen und Halle (Saale) und kämpft um die „nationale Wiedergeburt“[9]. In Halle kandidiert sie 1920 für die DNVP bei der ersten Reichstagswahl in der Weimarer Republik. 1923 tritt sie unter der Nummer 37 in den gerade gegründeten BKL ein. Marie Netz wird noch im selben Jahr (?) zur Bundesführerin gewählt. Sie wird als initiative, energische Organisatorin geschildert, unter deren Leitung der Bund zu einer politisch unübersehbaren Kraft wird. Durch ihren Einsatz werden auf der Burg Wettin eine Schulungsstätte mit einem großen Sitzungssaal für „Führerinnentagungen“ und eine Jugendherberge, in Wernigerode ein Erholungsheim für Mütter geschaffen. Marie Netz ist publizistisch nach den heutigen Erkenntnissen wenig in Erscheinung getreten; ihr Haupttätigkeitsfeld war die direkte Ansprache der Frauen in Reden und Veranstaltungen, die Organisierung und Koordinierung der Ortsgruppen und Gaue[10]. Aus Anlaß ihres 70. Geburtstages schreibt sie rückblickend, daß es für die Frauen darauf ankam, im nationalen „Kampf“ ihre „Gebiete“[11] zu finden: Erziehung, Dienst am Vaterland, „Beeinflussung anderer Frauen zu gleichem Denken“.[12]

 

Marie Netz legte 1932 die Bundesführung aus Altersgründen nieder[13]. Zur neuen Bundesführerin des „größten nationalen Frauenbundes Deutschlands“ (Der Stahlhelm, 22. Mai 1932) wurde Charlotte von Hadeln gewählt. Mit der Wahl von Charlotte von Hadeln vollzog sich eine politische Radikalisierung des BKL in Richtung auf den Nationalsozialismus. Es ist nicht bekannt, ob sich die aus der deutschnationalen Frauenbewegung kommende Marie Netz dem Nationalsozialismus annäherte. Dagegen war v. Hadeln schon lange vor 1933 eine überzeugte Nationalsozialistin. Ihre Wahl zur Bundesführerin war, trotz der immer wieder herausgestellten „Überparteilichkeit“, auch ein politisches Zeichen.

 

Charlotte von Hadeln hegte, wie ihre Lebenserinnerungen zeigen, schon seit dem Hitler-Putsch 1923 Sympathien für den Nationalsozialismus[14]. Hitlers Reden erscheinen ihr als „Ausdruck eines begnadeten Menschentums“[15] v. Hadelns hatte, wie nahezu alle völkischen Aktivistinnen, ihre politische Aktivität in den deutschnationalen Frauengruppen begonnen. v. Hadeln leitete Mitte der 20er Jahre die Deutschnationalen Frauengruppen Cottbus Stadt und Land. Auf einem Lehrgang lernte sie Dr. Käthe Schirmacher, die erste völkische Feministin, kennen, über die sie schreibt: „Kritisch waren ihre Äußerungen über die Lebensart und die Leistungen vieler Männer, die überhaupt, wie man allgemein wußte, ihre unbedingte Wertschätzung nicht besaßen. Sie glaubte, deren Wunsch zu erkennen, das Weib mehr oder minder zu einer Puppe oder zu einem willenlosen Objekt in ihrer Hand zu machen.“[16] v. Hadeln, die 1924 die Leitung des BKL im Kreise Cottbus. v. Hadeln übernahm, stand dem BKL zunächst skeptisch, ja ablehnend gegenüber. Als sie von zwei Stahlhelm-Führern gefragt wurde, ob sie für den BKL die Leitung des Gaues Lausitz übernehmen wolle, lehnte sie mit folgender Begründung zunächst ab: „Was will der Bund Königin Luise? Er steht, wie ich aus dem Schreiben ersehe, auf nationaler, völkischer und christlicher Grundlage, also auf einer Basis, auf der die Deutschnationale Volkspartei einerseits und die Ev. Frauenhilfe resp. Charitas andererseits ihre Organisationen aufgebaut haben. Der BKL ist also überflüssig.“[17] Indes überzeugte sie schon bald die Idee vom BKL als einem „Erziehungsbund“, der „die neue deutsche Frau“ an der Seite der Stahlhelm-Männer schaffen wolle. Sie war angetan von der Idee einer „deutschen Erziehung reines deutschen Erbgutes“, dementsprechend vom „Arierparagraphen“[18]. In all dem sah sie im BKL, im Unterschied zu den vorhandenen Frauenorganisationen, ein „ganz Eigenes“[19] Dazu gehörte, wie sie mehrfach betonte, das „kämpferische“ Eintreten für die Wiedergewinnung der abgetretenen Gebiete und Kolonien, der Kampf gegen die Kriegsschuldlüge und den Tributzwang, die Wiederherstellung der Wehrhoheit, der Kampf gegen alles Fremdländische.[20]

 

Im Herbst 1925 legt sie die Leitungsfunktionen im Frauenbund der DNVP nieder, um sich ganz dem BKL zuzuwenden, den sie als „lebendige Bewegung“[21] apostrophiert. Die organisatorische Expansion folgt vielfach militärischer Logik, so wenn v. Hadeln über die Ausweitung des Bundes nach Osten schreibt: „Befehl lautete: Nach dem Osten weiter vorstoßen! – Melde: Befehl wird ausgeführt – ich greife an.“[22] Sie übernimmt die Osthälfte ihrer „Heimatprovinz“, den „Gau Ost-Brandenburg“. Zu den von ihr organisierten Veranstaltungen lädt sich als Referenten Männer des Stahlhelm und der nationalsozialistischen Bewegung (z.B. Dr. Eduard Stadtler, Dr. Spahn?) ein. Als sie im Zuge in den von den Alliierten besetzten Gebieten „Neger als aufgestellte Posten“[23] sieht, ist die Rassistin v. Hadeln erstarrt, erschüttert und empört. Im schwindenden deutschen Einfluß in Afrika, sieht sie, unter dem Einfluß des Erzfeindes Frankreich, die „weiße Rasse“ herabgesetzt[24]. Das „Herrenmenschentum“ war einer der ideologischen Eckpfeiler des BKL.

 

Als Ende 1927 die Landesverbände gegründet werden, wird v. Hadeln zur Landesführerin von Brandenburg und Grenzmark gewählt. Über ihre Tätigkeit als Rednerin schreibt sie: „Auch mir machte man Vorwürfe, daß ich in meinen Reden zu rücksichtslos gegen das ‚System’ vorginge. Zeitungsartikel wurden mir vorgelegt, in denen meine Worte rot angestrichen waren, um mir zu zeigen, daß ich zu kämpferisch sei.“[25] Kritik gab es wohl auch aus den eigenen Reihen. Interessant und aufschlußreich für das politische Milieu der Familie ist, daß beide Söhne, Wilhelm-Hubertus und Heinz-Hajo, bereits 1929 den Weg zum Nationalsozialismus gefunden hatten. Hajo v. Hadeln schreibt am 20. Juni 1929 von München aus an seine Mutter: „Ich bin so dankbar, mich von Dir, liebe Muter, in meinem fanatischen Nationalsozialismus verstanden zu wissen, und weiß Dich innerlich und in der Auswirkung Deiner Arbeit in unseren Reihen.“ [26] Das letzte Wort, das der sterbende Vater, ein „Stahlhelmer“, am 11. Oktober 1930 an seinen ältesten Sohn richtete, war „Heil Hitler!“[27] Besonders Heinz-Hajo war in den folgenden Jahren unermüdlich, z. T. mit dem Auto der Mutter, ab und zu auch in ihrer Begleitung, als Wahlhelfer für die NSDAP unterwegs. Er wurde am 6. Juli 1931 SA-Sturmführer, trat im Dezember desselben Jahres in die SS ein. Im Herbst 1932 wurde er Führer eines Studentensturms und Stellvertreter des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes. Er wurde 1935 an der Universität zum Dr. phil. promoviert; Thema der Dissertation: Vom Wesen einer nationalsozialistischen Weltgeschichte. Eine Studie über Adolf Hitlers "Mein Kampf" und Alfred Rosenbergs "Der Mythus des XX. Jahrhunderts" (Frankfurt a. M. 1935).

 

Anfang 1930 hatte sich der Königin Luise Bund in die „Freiheitsbewegung“ – und das hieß: in die nationalsozialistische Bewegung – eingereiht.[28] Nun sollte ergründet werden, „wo und wie die weiblichen Fähigkeiten für die Befreiungstat und unser Erziehungswerk noch wirksamer hervorgeholt werden können.“[29] Aus diesem Grunde übernahm v. Hadeln aus eigener Initiative, aber gleichwohl mit „Zustimmung“[30] der Bundesführerin des BKL, vom 20. Mai bis zum 12. Juni 1930 mit 31 „Kameradinnen“ eine Reise nach Italien, „um die Arbeit der faschistischen Frauen zu studieren“. Die Gruppe besuchte Venedig, Florenz, Neapel, Genau, Mailand. Ihnen wurde von den Mitgliedern der faschistischen Frauenorganisationen neueste Einrichtungen und Anstalten gezeigt (Opera Nazionale Balilla, Opera Maternità ed Infanzia). Die Deutsche Botschaft in Rom berichtete darüber dem Reichsministerium des Innern. Die Reiseerinnerungen wurden erst 1933 veröffentlicht, „weil das Verhältnis des früheren Staates zum Faschismus ihre Bekanntgabe nicht für angebracht erscheinen ließ.“ (ebd.) Für v. Hadeln war der italienische Faschismus das Modell, welches die Frauen an der Politik partizipieren ließ. Die italienischen Faschisten erkannten, „welch hohen, unschätzbaren Werte in der Mitarbeit der Frau für den vielseitigen völkischen Aufbau liegen.“ (H, 1933, 9) Das Völkische und das Faschistische galten ihr somit als politische Synonyme. Dieses Modell sollte nicht „nachgeahmt“, wohl ihm aber „nachgeeifert“ werden. v. Hadeln und ihre „Kameradinnen“ wurden nicht nur von führenden italienischen Faschisten und Faschistinnen empfangen, sondern auch von Mussolini, der in deutsch die Vorzüge des „weiblichen Faschismus“ (vgl. H 22) pries. In einer ihrer Dankesreden ging Charlotte von Hadeln auf die „Gleichheit der Weltanschauung zwischen dem faschistischen Italien und der deutschen Freiheitsbewegung“ ein (H 1933, 26). Hier werden die wolkigen Begriffe auf ihren Kern gebracht: die „deutsche Freiheitsbewegung“[31], von der v. Hadeln in ihren Schriften so gerne sprach, war also eine faschistische Bewegung; die „nationale Frauenbewegung“ demnach eine faschistische. v. Hadeln begeistert: „Nun stellen wir uns begeistert unter seine Führung (den Nationalsozialismus - B.W.R.), die wir auf betendem Herzen tragen und mit der ganzen Kraft unseres Glaubens an sie.“ (H 1933, S.43)

 

Anfang Januar 1931 trafen sich Exponenten der „vereinigten nationalen Rechten“ zu einem „politischen Abend“ in Pläswitz in Schlesien. Die Schirmherrin, Kronprinzessin Cecilie, der Kronprinz, der deutschnationale Abgeordnete Alexander Freiherr von Freytag-Loringhoven (1878-1942), ein nationalsozialistischer Abgeordneter, ein Mitglied des Stahlhelm-Bundesleitung, die Bundesführerin Marie Netz, die Landesführerin Charlotte von Hadeln.  Über die Inhalte der Unterredung ist bislang nichts bekannt.   

 

Im Winter 1931/32 organisierte der BKL, wie auch andere nationalen Frauenverbände, in dreißig großen Städten Vorträge über die „Kriegsschuldlüge“. Zur Einstimmung auf die Abrüstungskonferenz in Genf sollte eine entsprechende „Volksstimmung“[32] geschaffen werden. v. Hadeln sprach in verschiedenen Orten. Im November 1931 richtete sie im Anschluß an die Rede des Generalleutnants a. D. v. Metzsch im preußischen Herrenhaus einen „längeren Appell an die deutschen Frauen“[33], um den sie die völkischen Protagonistinnen Beda Prilipp und Ilse Hamel gebeten hatten. Dies ist ein Zeichen dafür, daß der BKL sich längst im rechten Lager der Frauen Gehör verschafft hatte.  

 

In ihrer programmatischen Antrittsrede bekräftigte die neue Bundesführerin v. Hadeln im Mai 1932 die politischen Topics des Bundes: Kampf gegen die Kriegsschuldlüge, Wiedererlangung der „durch das Versailler Diktat entrissenen Gebiete, „Befreiung von Tributlasten“, Wehrhoheit (vgl. Der Stahlhelm, 22. Mai 1932). Am Nachmittag des zweiten Tages sprach auch der Landesbischof von Sachsen-Thüringen Dr. Heinrich Rendtorff[34] (Vater des späteren Rektors der Universität Heidelberg, Prof. Rolf Rendtorff, 1925-2014).

 

Im Laufe des Jahres 1932 bemühte sich v. Hadeln mehrfach um ein Zusammentreffen mit Hitler; sie wandte sich an Hitler selbst und an oberste Führer der NSDAP. Ein Treffen kam nicht zustande. Ganz offensichtlich gab es von beiden Seiten unterschiedliche Präferenzen. Allerdings berichtet sie: „Die nationalen Parteien versuchten unseren Bund nach der einen oder anderer Seite hin in direkte Gefolgschaft zu ziehen.“[35]  

 

Über die sich politisch zuspitzende Situation (erneute Reichstagsauflösung im Herbst 1932) schreibt v. Hadeln: “Jetzt galt es überall den Mut zu stärken und die Erkenntnis zu bringen, daß es gut sei, wenn endlich der Vulkan Feuer spiee und daß man diesen Vorgang nicht verhindern dürfe. Die starke Zuversicht mußte um sich greifen, daß seine Glut fähig wäre, den Kommunismus und fremden Geist bei uns zu vernichten und alles mit einem aus dem Urgrund empor geworfenen, jungen Boden zu überdecken, der dann fruchtbar wäre für die neue Saat.“[36] Deutlich wird hier ausgesprochen, was sich viele im BKL erhofften. Die für die Nationalsozialisten verheerenden Landtagswahlen vom 6. November 1932 kommentiert sie: „Die Zunahme der Linksradikalen war ein deutliches Signal für die Nationalisten, daß endlich mit dem Hin und Her ein Ende gemacht werden müßte, daß es nicht zu verantworten sei, ‚die deutsche Tat’ hinauszuschieben.“[37] v. Hadelns Rolle als Wegebereiterin des Dritten Reiches wurde, wie selbst berichtet, schon zuzeiten gewürdigt. Sie wurde in das von Wilhelm Freiherr von Müffling herausgegebene Buch „Wegbereiter und Vorkämpfer für das neue Deutschland“ (München: Lehmanns 1933) aufgenommen. Ihr Buch „In Sonne und Sturm“ endet mit der Schilderung des 21. März 1933, dem “Tag von Potsdam“, den sie mit ihrem der SA angehörenden Bruder erlebt. Gemeinsam „gedachten (wir) der Kampfzeit, die wir vor fast fünfzehn Jahren Seite an Seite begonnen haben.“[38]

 

Über die Ereignisse hinter den Kulissen, das Tauziehen um die Existenz des BKL, erfahren wir aus den sonst weitschweifigen Erinnerungen der Freifrau von Hadeln nichts. Sie stellt nur knapp fest, daß der Bund im Einverständnis mit der Schirmherrin, der früheren Vorsitzenden und Elke Sennewald 1934 aufgelöst wurde, weil „die weibliche Erziehungsarbeit nun ausschließlich von der NS-Frauenschaft übernommen wurde.“[39]

 

Am 9. Mai erklärte Charlotte von Hadeln nach Verhandlungen mit Dr. Robert Ley, daß sie und der ihr unterstellte Bund sich „bedingungslos“ dem Führer der NSDAP Adolf Hitler unterstellen (vgl. Völkischer Beobachter, 10. Mai 1933). Seitens der NSDAP wurde der BKL für eine Übergangszeit in die „Deutsche Frauenfront“ eingegliedert. Dann sollte die „äußeren Formen in einer einzigen Organisation“ zusammengefaßt, eine „Einheitsfront“ hergestellt werden. An die noch „abseits stehenden Frauenverbände“ erging der Appell sich in der Deutschen Frauenfront anzugliedern (vgl. ebd.). Aber offenbar gab es hinter den Kulissen Unstimmigkeiten und gravierende Differenzen. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung“ berichtet mit Datum vom 17. August 1933, daß Frau v. Hadeln durch die Führerin der Deutschen Frauenfront Lydia Gottschewski ihres Amtes enthoben worden. Diese Enthebung wurde wieder rückgängig gemacht. Aber der BKL war auf ein Abstellgleis geschoben worden. Auf einer Landesversammlung von Westfalen kam es zu Rücktritten der Leitungsfiguren. Die Landesführerin erklärte, „daß die ganze Arbeit des Bundes heute nur ein Kampf um sein Fortbestehen sei“ (9. Februar 1934). Trotz dieser Rücktritte hielt v. Hadeln am Bund fest, der „in unbedingter Treue“ zu Adolf Hitler stehe (vgl. Berliner Börsen-Zeitung, 10. Februar 1934). Die Auflösung indes war nicht aufzuhalten. Den Mitgliedern wurde der Eintritt in die NS-Frauenschaft und den Bund Deutscher Mädel nahe gelegt. Trotz weitestgehender ideologischer Gemeinsamkeiten verhakte man sich in Einzelfragen, im Organisatorischen. Einer Zeitungsmeldung vom 2. März 1934 zufolge, hatte v. Hadeln in Rücksprache mit dem Führer-Selbstvertreter Rudolf Hess und der Führerin der NS-Frauenschaft Scholtz-Klink beschlossen, den Bund Königin Luise zum 1. April 1934 aufzulösen.

 

Der Königin Luisen Bund wollte, wie viele rechten Organisationen, eine Bataillon des Nationalsozialismus werden. Auch in diesem Falle gab es, ähnlich wie im Fall des Stahlhelm, der Korporationen, keine Sonderrechte.  

 

[1] Klostermüller, Hanna: Stirbt die Frauenbewegung? Die nationalen Frauenbünde in politischer Arbeit. In: Der Jungdeutsche, 19.7.1932

[2] nach der Angabe der Bundesführerin Charlotte von Hadeln umfaßte der BKL im Jahr 1933 200.000 Mitglieder, wovon 90.000 „Jungkameradinnen“ waren  (vgl. Hadeln, Charlotte von: In Sonne und Sturm,  Rudolstadt 1935, S.377)

[3] vgl. Treuge, Margarete: Vom „Frauenverein“ zu „bündischen“ Tatgemeinschaft“. In. Die Frau, 40. Jg., H. 6, März 1933, S.329-333

[4]  ebd., S.329

[5] Frauen und Mädchen im blauen Klein: ´Die 2. Landesverbandstagung nahm einen glänzenden Verlauf. In: Pommersche Tagespost, 26. Aigust 1930

[6] vgl. Braun, Lily: Die Frauen und der Krieg. Leipzig 1915;  diese Kriegsschrift wurde 1981 in den „Beiträgen zur feministischen Theorie und Praxis“/Sozialwissenschaftliche Forschung & Praxis für Frauen“ nachgedruckt; eine neuerliche Ausgabe erschien 2004 in einer Quellensammlung „Proletarische Frauenbewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ (CD-Rom-Ausgabe, Wildberg, Belser, Wissenschaftlicher Dienst 2004)

[7]  Gaertner, Franziska von: Bund Königin Luise. In: Bund Königin Luise. 10 Jahre im Freiheitskampf 1923-1933. Halle 1933 (keine Seitenzahlen)

[8] vgl. zum folgenden: Sennewald, Else: Unsere Bundesführerin 70 Jahre. In: Jahrbuch 1932, 2. Jg., Bund Königin Luise. Halle 1932, S.4ff.

[9]  ebd., S.5

[10]  In diesem Sinne schreibt Charlotte von Hadeln: „Die intellektuelle Welt sah gerne über uns hinweg. Wir mühten uns auch nicht , sie durch Broschüren oder lange Zeitungsartikel auf uns aufmerksam zu machen. Unsere Arbeit lag schlicht und einfach mitten im Leben des Volkes.“ (v. Hadeln, Charlotte. In Sonne und Sturm. Rudolstadt 1935, S.284)

[11]  vgl. Netz, Marie: Gott schütze Deutschland! In: Jahrbuch 1932, 2. Jg., Bund Königin Luise. Halle 1932, S.7

[12]  ebd.

[13]  vgl. Hadeln, Charlotte von: In Sonne und Sturm. Rudolstadt, 1935, 2. Aufl.,  S.333

[14]  vgl. ebd. S.245

[15]  ebd., S.283

[16]  ebe., S.265

[17]  ebd., S.248

[18]  ebd., S.248

[19]  ebd., S.249

[20]  ebd., S.259

[21]  ebd., S.266

[22]  ebd.

[23]  ebd., S.271

[24]  ebd., S.272

[25]  ebd., S.292

[26]  Hajo v. Hadeln, zit. in: ebd., S.302

[27]  ebd. S.327

[28]  vgl. ebd., S.310

[29] ebd.

[30]  Ebd., S.311

[31] Wenn v. Hadeln im Hinblick auf die Zeit nach 1925 schreibt: „Der Kampf der Freiheitsbewegung zeigte im ganzen Reich große Fortschritte“ (v. Hadeln, Charlotte: In Sonne und Sturm. Rudolstadt 1935, S.284), so meinte sie damit natürlich auch die faschistische Bewegung. Die ganze rechte Szene mit ihren vielfältig differenzierten Gruppen hatte sich nach dem Motto aufgestellt: getrennt marschieren – vereint schlagen. So spricht sie im Zusammenhang mit dem am 29. Oktober 1929 angestrebten Volksbegehren gegen den Young-Plan von der „vereinigten nationalen Rechten“ (ebd., S.306)

[32]  ebd., S.343

[33]  ebd., S.344

[34] „Als Anhänger der völkischen Strömung der Deutschen Christen begrüßte Rendtorff die Machtübernahme der Nationalsozialisten zunächst vorbehaltslos und beantragte mit folgender Begründung die Aufnahme in die NSDAP: „Ich will als deutscher Mann mich öffentlich zur NSDAP bekennen“.[1] Im Mai 1933 wurde er tatsächlich vorläufiges Mitglied der NSDAP, doch bereits im August 1933 wurde er aus der Partei "wegen parteischädigender Äußerungen" ausgeschlossen, weil er Mitglied der "Bekennenden Kirche" geworden war.“ (Wikipedia)[

[35]  ebd., S.350

[36]  ebd., S.361

[37]  ebd., S.368

[38]  ebd., S.380

[39]  ebd., S.378